Westheim
Geschichte
Westheim ist mit ca. 3.500 Einwohnern der drittgrößte Stadtteil von Neusäß. Das schon von den Römern bewohnte, 1234 erstmalig urkundlich erwähnte Westheim liegt zwischen Schmuttertal und Kobelberg. Der angrenzende Kobelwald verbindet Westheim mit Steppach. Hier bauten die Römer eine Staatstöpferei neben der Römerstraße Augsburg-Günzburg, die ebenfalls streckenweise durch die Westheimer Flur führt. Wissenschaftliche Grabungen bestätigten diese historische Zeitbestimmung durch die Funde von diversen Öllampen und Ziegeln. Das eigentliche Westheim gibt es jedoch erst seit dem 11. Jahrhundert. Im 13. Jahrhundert errichtete die Familie de Westhain hier eine Burg und gab dem Ort so seinen Namen. Obwohl die Burg im Laufe der Zeit zu einem Schloss umgebaut wurde, durch viele Hände ging und irgendwann an Nutzen verlor, konnte sie doch erhalten bleiben und beherbergt heute als modernes Altersheim die älteren Mitbürger der Westheimer Gesellschaft.
Die im Jahre 1602 durch den Augsburger Weihbischof Dr. Sebastian Breuning eingeweihte Gnadenkapelle auf dem etwa 530 m hohen Kobelberg in Westheim ist die wahrscheinlich älteste Loreto-Wallfahrt Deutschlands. Die Nachbildung der Muttergottes-Figur des Domes von Loreto in Italien, die ursprünglich für Graf Anton Fugger geschnitzt wurde, fand im Jahre 1601 in der Kapelle von Karl Langenmantel auf dem Kobelhang ihr Zuhause. Nach dem Dreißigjährigen Krieg entwickelte sich eine Wallfahrt auf den Kobel, sodass 1657 der Kapelle ein Langhaus vorgebaut wurde, um die wachsenden Pilgerströme aufnehmen zu können. In den nächsten 100 Jahren wurde die Westheimer Wallfahrtskirche kontinuierlich ausgebaut und mit Fresken, Leuchtern und Figurenschmuck bereichert, was in dem Anbau einer Beichtkapelle gipfelte. Die Wallfahrten hielten über lange Zeit an, weshalb eine Wirtschaft und ein Aussichtsturm auf dem Kobelberg errichtet wurden. Diese Gebäude fielen jedoch später der geänderten Zeit zum Opfer. Als Wallfahrtsort, Ausflugsziel sowie beliebte Villengegend mit Eisenbahnstation ist Westheim immer noch eine der ersten Wohnadressen um Augsburg.
Wissens- und Sehenswertes
Die beliebte Kobelkirche und das hoch aufragende Kobelkreuz, von wo aus ein weiter Blick über Augsburg möglich ist, sind damals wie heute Wallfahrtsort und Ausflugsziel. Die Kirche besteht aus zwei Teilen: Langhaus und Gnadenkapelle. Die Madonna in der Gnadenkapelle auf dem Kobel ist noch im Original erhalten, während die italienische Originalfigur 1921 durch einen Brand zerstört wurde. Das Deckenfresko der Beichtkapelle auf dem Kobel zeigt die Szene, wie das “Heilige Haus” von Engeln nach Loreto getragen wird. Im Langhaus ist Mariä Verkündigung dargestellt. Die beste Gesamtübersicht über den Außenaufbau bietet sich aus Nordosten. Hier sind die Gnadenkapelle mit aufgesetztem Turm, die quer angebaute Beichtkapelle und das Langhaus deutlich unterscheidbar.
Auch die 1875 ins Leben gerufene Freiwillige Feuerwehr Westheim hat eine interessante Geschichte. In den Jahren 1879/80 erhielt die Feuerwehr Westheim eine für damalige Verhältnisse moderne Ausrüstung in Form einer Saug-/Druckspritze sowie einer Löschmaschine, die 1907 noch um eine mechanische Schubleiter erweitert wurde. Die von den Gemeinden Westheim und Steppach eine gemeinsam gebaute Wasserleitung mit insgesamt 44 Unterflurhydranten wurde 1912 eröffnet. Mitten während des Krieges im Jahr 1915, erhielt die Westheimer Feuerwehr noch einen Hydrantenwagen, der die Schlagkraft der Truppe in Verbindung mit der neuen Wasserleitung wesentlich erhöhte. Aber auch für das Vereinsleben wurde Einiges getan. Ein seit der Gründung bestehender Feuerwehr-Gesangsverein löste sich zwar um die Jahrhundertwende wieder auf, aber am 15. Juli 1900 wurde das 25-jährige Jubiläum der Wehr mit Fahnenweihe, gemeinsamen Kirchgang auf den Kobel und Zapfenstreich feierlich begangen.
Seit dem Jahre 1902 gibt es den Gartenbauverein “Mittleres Schmuttertal” e.V. Westheim, der sich den Zielen des Gartenbaues und Landespflege verschrieben hat. Eine Besonderheit stellt die vereinseigene Mostereianlage dar. Bereits im Jahre 1911 wurde eine Mosterei angeschafft, die immer wieder erneuert und verbessert wurde, So zuletzt 1993 mit dem Bau der neuen modernen Anlage in Neusäß “Am Eichenwald 7c” und mit der Anschaffung einer hochmodernen Einbandpresse im Jahre 1999 . Dort können Sie Ihr Obst zu Saft verarbeiten lassen.


